Tagebuch eines Praktikanten
Nach einer Idee von Leander Haußmann
Aufgeschrieben von David Gruschka*. Das Tagebuch wird täglich aktualisiert!

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30.10.2002
Heute drehfreier Tag. Hab A. und seine Freundin Annika zu seinen „Schwiegereltern“ in die Nähe von Wuppertal fahren müssen. Hat mir dann Gnädigerweise am Abend freigegeben. Mir graute schon vor Eisbein und Sauerkraut, falls er mich, aus Angst ins Hotel zurückzukehren, noch zum Essen eingeladen hätte. Daher endlich mal wieder lustigen Abend mit den anderen Praktikanten gehabt.

27.10.2002
Heute Anfahrt nach Köln, wo in den „Info-Studios“ die Kreuzberger Markthalle nachgebaut wurde. Stundenlang im Stau gestanden, mich verfahren und A. völlig paranoid in Köln angetroffen, der keine Minute länger mit Team im Hotel bleiben wollte. Hatte wohl gespürt, dass Sie ihm nicht gerade mit Erfurcht und Bewunderung begegnen. Daher zu zweit Sauftour durch Kölns Innenstadt. Hat mich laufend auf angeblich hübsche Frauen aufmerksam gemacht. Kein Geschmack der Mann, dabei sieht seine Freundin doch recht gut aus. Habe später, leicht angetrunken, ihm dummerweise versprochen seinen neuen Wunsch-Computer billiger über einen meiner Freunde zu besorgen. War nämlich neidisch wie Kleinkind auf den neuen Flachbildschirm vom Produzenten und wollte auch so etwas „dollet“ (O-Ton) haben wie Claus. Kann dabei noch nicht mal mit seinem Alten vernünftig umgehen.

29.10.2002
Zweiter Tag der Abendessenszene, in der Lehmann die Eltern zum Schweinebraten einlädt. Haben Koch angestellt, der heute den sechzigsten Schweinebraten für die Schauspieler in der Pfanne hatte. Aufgrund der anhaltenden Hitze hatte A. heute sein „Hippie-Hemd“ an, dessen Ausschnitt bis zum Bauchnabel geht. Beichtete mir doch tatsächlich auf der Hinfahrt, er fühlt sich darin sexy. Mitleidsvolle Blicke der Frauen im Team, wollten im Anflug von Muttergefühlen ihm das Hemd zuknöpfen, in Annahme Ausschnitt wäre unbeabsichtigt. Nach Drehpause aber erheiterte Stimmung im Team, nachdem ich von A.s Einstellung zu seinem Hemd berichtete. Einfach nicht mehr Dreißig der Mann. Nach dem Drehtag Muster im Hotel. Ton war wieder nicht synchron und A. beschuldigte absurderweise erneut Kameraassistenten, der nach wie vor nicht dafür verantwortlich ist. Ist in der Abteilung entgültig unten durch. Anschließend Schnapsklappe der Kameraabteilung, die irgendwann morgens mit fünfzehn Leuten in Katjas Zimmer endete. Hartmut Lange zeigte seine Künste auf der Luftgitarre und hüpfte solange im Zimmer rum, bis Katjas Bett in Trümmern lag. Bisher beste Schnapsklappe, nicht zuletzt weil A. mal wieder um Zwölf schlapp machte.

28.10.2002
Erster Drehtag in der „Kölner Markthalle“. In Berlin nachts laufend vor Heizstrahlern bibbern müssen, jetzt 60 Grad und das noch nicht mal im Schatten, da alles mit den glühenden Scheinwerfern ausgeleuchtet ist. Da Produktionsbüro im gleichen Haus, ist A. durch die Nähe zur Produktions- und Herstellungsleitung dauerhaft unentspannt. Schiebt zudem auch alle seine Formkrisen auf den Druck aus dem ersten Stock Wird man dem Film bestimmt anmerken.

27.10.2002
Heute Anfahrt nach Köln, wo in den „Info-Studios“ die Kreuzberger Markthalle nachgebaut wurde. Stundenlang im Stau gestanden, mich verfahren und A. völlig paranoid in Köln angetroffen, der keine Minute länger mit Team im Hotel bleiben wollte. Hatte wohl gespürt, dass Sie ihm nicht gerade mit Erfurcht und Bewunderung begegnen. Daher zu zweit Sauftour durch Kölns Innenstadt. Hat mich laufend auf angeblich hübsche Frauen aufmerksam gemacht. Kein Geschmack der Mann, dabei sieht seine Freundin doch recht gut aus. Habe später, leicht angetrunken, ihm dummerweise versprochen seinen neuen Wunsch-Computer billiger über einen meiner Freunde zu besorgen. War nämlich neidisch wie Kleinkind auf den neuen Flachbildschirm vom Produzenten und wollte auch so etwas „dollet“ (O-Ton) haben wie Claus. Kann dabei noch nicht mal mit seinem Alten vernünftig umgehen.

25.10.2002
Bergfest unter der „echten“ Markthalle im „Privatclub“ gefeiert. Werden nächste Woche, in der nachgebauten wahrscheinlich weniger Freude haben, als heute. War definitiv besser als öde Warm-Up-Party. A. trotz fortgeschrittener Trunkenheit zu Rede genötigt worden. Rede dementsprechend daneben. Bin schon um zwölf ein freier Mann gewesen.

24.10.2002
Lange Produktionsbesprechung über den Schluss des Filmes. Immer noch mehrere Varianten im Gespräch. „A.“ warf Produktionsleitung erregt Mißmanagment vor, da er von einem größeren Finanzrahmen ausging. Lange Gesichter und verhärtete Fronten. Nach zwei Stunden Streiterei mich zum Schneideraum geschlichen und mich gut mit unseren Cutter Peter Adam unterhalten. Hab ihn zu ein paar Ideen aus meinem Drehbuch befragt. Schien ganz angetan, der Jugend bei Stoff-entwicklung zu helfen. Vielleicht hilft er mir später, wenn ich am schneiden bin. Auf Rückfahrt einen völlig unerträglichen Miesepeter mit Hund nach Friedrichshagen gefahren. Morgen Bergfest! Die Hälfte im Kasten.

22.10.2002
Heute zwischen Neukölln und Kreuzberg auf Brücke gedreht. Tolle Beleuchtung. Hat Haußmann allerdings nicht zu würdigen gewusst und faul die Szene unterm Vorwand „großer Kunst“ in nur einer Einstellung gedreht. Dann mit Buck „Critters 1“ im Trailer geschaut. Und mich sein Essen holen geschickt. Enttäuschung war nicht nur Frank und den Beleuchtern anzumerken. Haußmann hatte beim Essen ironisch gemeinten Anflug von selbstkritischer Jovialität und bezeichnete sich selbst als „Arschloch“. Name hing bei mir lange noch sehr präsent nach. Als Spitzname vielleicht etwas lang und ordinär. In Gedanken bei mir daher ab jetzt nur noch „A.(punkt)“.

21.10.2002
Haußmann nach anstrengender Anreise, (erzählte mal wieder von seinen geschichtsträchtigen Erfolgen), noch verkatert, gegen Glasscheibe gerannt. War danach sehr ungehalten und, um wieder Selbstachtung zu bekommen, sich auf meine Kosten dicke machen müssen, als Pepe Danquwart zu Besuch kam. Habe in der Mittagspause seinen Heizstrahler präpariert. Schauspieler erneut überzeugend und gerade warm gespielt, als leider halbe Stunde unterbrechen werden musste, da Beleuchtung, durch Kurzen im Heizstrahler, zusammenbrach. Hatte Haußmann vorher extra noch im Beisein von Claus und Pepe gewarnt, er solle nicht immer mit dem Fuß an dem Ding wackeln. Ist bei den Beleuchtern unten durch.

20.10.2002
Heute am uns wohlbekannten Kottbusser Tor gedreht. Erstaunlich wenig Konfrontationen mit Einheimischen. Mussten Frank und seinen Assistenten Christian Gott sei Dank nicht in Schallsaug-Trichterkonstruktion stecken, da wir zwischen Straße und Imbiss riesige Glasplatte gebaut haben. Regie heute wieder fahrig und unsicher, wackelte die ganze Zeit mit seinem Schuh am Heizstrahler. Musste mir wieder allerhand Unhöflichkeiten anhören. Schauspieler Gott sei dank souverän genug, so dass man die unsichere Regie nicht direkt spürt. Nach Drehschluss heimlich die große Schallschutzscheibe gewischt.

19.10.2002
Erneut Szene in Schwulenkneipe. Heute großer Tag der Stuntmen, da Schlägerei gedreht wurde. Sehr warme, sauerstoffarme Luft und gemütliches Sofa machten mir schwer zu schaffen. Am Ende fast Magenwanddurchbruch aufgrund von Kaffemißbrauch. Haußmann gab sich jovial und riss die ganze Zeit Witze über Homosexuelle. Fühlte sich wohl frech und jugendlich mit seinem aktuellen Kinnbart. Bin ihn, Gott sei dank, die nächsten zwei Tage los, da Drehfrei. Ihm gegenüber zwar immer noch loyal und nett, habe allerdings Angst, die Maske nicht mehr lange halten zu können. Na ja, alles für die Kunst. Geht dem Rest des Teams ähnlich.

18.10.2002
Nachtdreh in Moabit: Lehmann in Schwulenbar „Blase“. Dachte immer in Friedrichshain ist die Hundekot-Dichte auf Berliner Asphalt am höchsten. Vor dem Motiv das BNC-Kabel meiner Videocombo beim Aufwickeln durch einen beträchtlichen Haufen gezogen. Kurz vor Mittagspause dann auch noch in einen hineingetreten, als ich Haußmanns Hund, der im Wohnwagen eingesperrt war, Wasser bringen musste. An Teppichunterseite im Regie-Trailer abgestreift und später vorgezogen im Teambus zu essen. Essen für Hund ausgefallen, da Gestank ihm angelastet wurde. Ulmen, als Septimius Severus, von Kostümabteilung mit Toga lächerlich gemacht worden. Viviane vom Making-of geifernd hinter ihm her gewesen.

17.10.2002
Liebesszene in "Katrins Wohnung" am Lausitzer Platz. Haußmann ungewöhnlich ruhig und unbesorgt. Hab gestern im Urban wohl Beruhigungsmittel erwischt. Während Mittagspause Gewerkschafts-treffens-ähnliche Zusammenstöße mehrerer Teammitglieder mit Produktionsleiter. Heftige Diskussionen über Überstunden und Ruhepausen. Catering-Essen mal wieder vorzüglich. Lediglich Beschwerden vom "Gourmet" über die, ihm zu raffinierten, Soßen.

14.10.2002
Heute im Urbankrankenhaus gedreht. Set voller Ballone, für Lehmann in Baby-Szene. Videocombo war feucht geworden und streikte. Daher Häme, Spott und Empörung von Haußmann vor versammelter Truppe. Sehr sauer gewesen und irgendein Medikament aus Krankenhausschrank in seinen Pfefferminztee geschüttet. Konnte er nicht rausschmecken, hatte zuvor zuviel Ballon-Helium inhaliert.

13.10.2002
Noch im dunkeln Haußmann abgeholt. Auf Hinweg fing es an zu schneien. Wittenbergplatz und Bushaltestelle trotzdem gedreht. Ob das im Schnitt zusammenpasst? Beim Mittagessen im Trailer ersten Zusammenschnitt des Babelsberg-Material. Haußmann empört und außer sich, da alle (bis auf ein paar Schleimer, die wohl um den nächsten Job fürchten) als erstes Kameraführung lobten.

12.10.2002
Heute drei Motive an einem Tag. Erst Falkensteinstraße, dann Alexanderplatz und schließlich in einem BVG-Bus. Mittagspause am Alex. Hab mal wieder Haußmann das Essen bringen dürfen. Dafür aber "Ehre" gehabt mit ihm im Trailer zu Essen. Dabei Walkie-Talkie auf Dauerfunk gestellt, als Haußmann über Regieassistentin am lästern war. Vopo-Statist am Alex hatte beträchtliche Nebeneinkünfte als fotogene Touristenattraktion. Dreh im Bus sehr angenehm. Saß oben im Warmen und wurde durch die Gegend gefahren.

11.10.2002
Ottos zweiter Tag. Erneut tierisch kalt. Haußmann mich ständig am rumpöbeln. Musste ihm Pfefferminztee im Minutentakt bringen. Wehe, wenn dieser zu kalt, nicht süß genug oder zu süß war. Nebenher immer Heizstrahler übers Set geschlört. Hund erstaunlich diszipliniert. Auf jeden Fall stärker als Haußmann, der nach Mittagspause Fahne zu haben schien. Habe währenddessen einen der Heizstrahler taktisch positioniert. Keine halbe Stunde später beißender Gestank nach verschmorkelten High-Tech-Fasern von Haußmanns Jacke. Während Mittagspause unterhaltsames Gespräch mit Tonmeister über Haußmanns Feinmotorik.

...Fortsetzung folgt!

* Persönlicher Assistent von Leander Haußmann während der ganzen Produktionszeit