Tagebuch eines Praktikanten
Nach einer Idee von Leander Haußmann
Aufgeschrieben von David Gruschka*. Das Tagebuch wird täglich aktualisiert!
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09.10.2002
Erneut Prinzenbad. Durch die Nähe zum Urbankrankenhaus alle fünf Minuten Sirenen. Außerdem eine alte Junkers auf Rundflug über Berlin. Tonmeister hat jeden dritten Take unterbrechen müssen. Haußmann zuckte bei jedem Geräusch neurotisch zusammen. Zustand schien sehr labil. Am Ende des Drehtages Schnapsklappe auf die Regie: lieblose Teigtaschen und Glühwein.
Volvo roch auf Rückweg stark nach Letzterem.
08.10.2002
Morgens Eisenbahnstraße. Von bewaffneten Männern in Lederoutfit verschont geblieben.
Ab Sonnenaufgang im menschenleeren Prinzenbad gedreht. Trotz Sonnenscheins wieder dreckskalt.
Ulmen hatte vollstes Mitleid, da er fast den ganzen Tag halbnackt durch die Eiseskälte laufen musste. Später hat Haußmann Katja und Buck sogar noch ins Wasser geschickt, für Szenen, die im Schnitt bestimmt rausfliegen.
06.10.2002
Den ganzen Tag Nieselregen, daher nur Vernehmungsraum-Szene drehen können. Ottos zweiten Tag verschoben und auf frühen Schluss gehofft. Allerdings nicht mit Produktions- und Drehbuch-Besprechung gerechnet. Spät Abends Haußmann endlich nach Hause gefahren
05.10.2002
Heute erster Drehtag mit Hund "Otto".
Tierisch kalter Tag: Otto bemüht, schnell wieder ins Warme zu kommen, daher sehr kooperativ.
Haußmann trotz seiner neu gekauften High-Tech-Klamotten ebenfalls am frieren. Musste ihm die ganze Zeit drei schwere Heizstrahler hinterher schleppen. Nach fünf Nachtdrehs von Sonnenstrahlen sehr irritiert gewesen.
Nach Drehschluss mit Claus und Haussmann in Gaststätte gewesen. Haußmann schon vom
nächsten Projekt am fabulieren.
Will den Roman "Die Borribels" verfilmen.
Hatte das Buch allerdings noch nicht mal gelesen.
Hat vom Lehmann-Roman wahrscheinlich auch nur Klappentext geschafft.
28.09.2002
Nun ist es passiert. In Potsdam Babelsberg die ersten Meter Filmmaterial belichtet. Stimmung am Set sehr gut, nicht zuletzt aufgrund von großem Statistenzelt. 30 "Kreuzberger Originale" bei Querflöte und Gitarre. Sah aus wie alternatives Sommercamp, wenn man von Heizstrahlern absah. Sehr nette Statistin von Kostümprobe wiedergetroffen. Mein Platz ist aber leider neben Haußmann an der Videocombo. Haußmann noch sehr entspannt und selbstsicher. Drehschluss um 6 Uhr morgens, da Nachtdreh. Erst um halb sieben alle Teile meiner Videocombo wiedergefunden.
Musste Haußmann danach nach Friedrichshagen fahren. Habe auf Avus bei 140 km/h Ermüdungs-erscheinungen vorgetäuscht. Haußmann trotz eigener Müdigkeit in Angst und Schrecken.
03.10.2002
Heute "freien Tag" gehabt.
Erst Produktionsbesprechung, dann erste Mustervorführung. Aufregend, erste Bilder zu sehen. Leider aber auch nur Bilder, da Ton nicht synchron. Haußmann hat sich mit derber Kritik an diesem Mangel sehr unbeliebt bei Schnitt-Assistentin und Kamera-Assistenten gemacht, da Problem ein technisches und kein menschliches war. Haußmann trotzdem empört.
Aber selber noch nicht mal richtig mit seinem DVD-Player umgehen können...
Traurig der Mann.
02.10.2002
Letzter Tag in unserem Camp Babelsberg zuende gegangen. Gedreht, bis es wieder hell wurde. Haußmann sehr locker nach "Mittagspause",
hatte wohl mit alten Schauspielfreunden gezecht.
Einige vom Team, allen voran Frank Griebe, stark verunsichert über diese Arbeitshaltung.
Nach der Arbeit, von Mitbewohnern mit Frühstück überrascht worden. Die nächsten Tage endlich mal wieder frei.
29.09.2002
Zweiter Drehtag. Bei Hinfahrt, noch in Tempelhof, Anruf auf Haußmanns Mobiltelefon. Berühmter Ausstatter aus Hollywood. Haußmann nach Gespräch voller Stolz und selbstzufrieden. Fühlte sich wohl berühmt und anerkannt. Wäre an seiner Stelle bei dem Englisch im Boden des Volvositzes vor Scham versunken. Musste stark an mich halten, um ausdrucksloses Gesicht zu bewahren. Drehtag erneut spannend. Team mit wenigen Ausnahmen ebenfalls. Haußmann wollte heute von Fahr-Profi Willi nach Hause gefahren werden. Hat so getan, als ob es Akt der milden Gnade wäre. Hatte wahrscheinlich immer noch Angst vorm "übermüdeten" Praktikanten.
Hab gewartet bis er weg war und dann Frank nach Hause gefahren. Frank, der aufgrund des lediglich rudimentär vorhandenen Storyboards so gut wie freie Hand hat, in bester Laune.
Aufgrund von Haußmanns ständigen Drehbuch- und Konzeptions-Änderungen, mit Frank den Ausspruch "Morgen wird alles Le-Anders" erfunden.
14.09.2002
Auf der Hinfahrt zum Büro Bob Dylan das vierte Mal in Folge. Musste mir dazu wieder anhören, wie toll Haußmann's Generation als Jugendliche gerockt haben. Fühlt sich wohl langsam alt. Später Adalbertstraße, Eisenbahnstraße und Mittag in der Markthalle.
26.08.2002
Heute Besprechung im kleinen Rahmen am Müggelsee. Haußmann zeigte stolz seine Gemäldesammlung. Mitleidsvolle Blicke bei Claus, Frank und mir. Mich anschließend hervorragend mit Claus über "Informell" unterhalten.
25.08.2002
Heute Head-of-Departments-Besprechung. Haußmann konnte sich nicht gegen Produktionsleitung durchsetzen. Hab aber fast nichts mitbekommen, da in der Küche am Kaffeemachen. Musste anschließend Haußmanns Wut ertragen und außerdem alle Telefonnummern der Mitwirkenden in sein Handy einspeichern. Bisschen albern, aber hab Nummern von Freundin und Ex-Frau vertauscht.
...Fortsetzung folgt! * Persönlicher Assistent von Leander Haußmann während der ganzen Produktionszeit
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